Artikel zum Gemeindehaus Maienstraße 2

StülpnagelGräbnerWarum GemeindeTeilverkaufGefahr im VerzugGemeindeversammlung

Historische Bedeutung

Briefe von Frau Stülpnagel vom Feb. 2012

Brief von Herrn Gräbner von Feb.2012

Lieber Vereinsvorstand,

am vergangenen Dienstag habe ich an der Vereinsversammlung teilgenommen.

Dabei sind mit Gedanken gekommen, die ich aber nicht sofort zum Ausdruck bringen konnte. Ich möchte sie aber gern an Sie weitergeben.

Bei aller Argumentation für den ABC und die historische Bedeutung vermisse ich immer auch den aktuellen direkten Bezug nämlich, dass ein Gemeindehaus mit all seinen Möglichkeiten das Herz einer Gemeinde ist. Schon heute komme ich nicht auf die Idee andere Gemeinde zu besuchen und ich glaube das geht vielen Menschen/Christen in unserer Gemeinde so. Die Entfremdung zu Gemeinde und Kirche wird so immer größer.

Ich denke, wenn ein Marktstand sich immer mehr verkleinert, sollte er sich nicht wundern, wenn er eines Tages nicht mehr wahrgenommen wird und selbst aus dem Blick der Kunden verschwindet.

Allein die Größe des Hauses bietet doch den Menschen die Möglichkeit, gelebte Gemeinde zu ermöglichen. Die Angebote sind so vielfältig und breit möglich, dass sich dies gar nicht in konkreten Beispielen ausdrücken muss. Würde diese Chance nicht genutzt bzw. durch eine Fremdnutzung verhindert, sehe ich den Marktstand Christuskirche ernsthaft gefährdet.

Und war da nicht auch ein Auftrag: Gehet hinaus in alle Welt ... die einem Haus auch eine Öffnung für alle Welt geradezu aufdrängt?

 

Mit freundlichen Grüssen vom Vereinsmitglied

Bernd Gräbner

Warum "Gemeinde"-Haus?

von Hans Ulrich Nübel

Aus dem Evangelischen Kirchenlexikon. Herausgegeben von Erwin Fahlbusch u.a. Zweiter Band, 3. Auflage, Göttingen 1989, Seite 46 ff:

Der Begriff Gemeinde hat sich im Deutschen, neben Kirche als Wiedergabe von (griech.) ekklesia eingebürgert. Maßgeblich dafür war Luther, der in seinem NT konsequent "e." mit "Gemeinde". übersetzte, weil ihm das Wort "Kirche" undeutlich und missverständlich erschien, während er in "G." die biblischen Aspekte der Versammlung von Menschen und der gegliederten Gemeinschaft angedeutet fand,,,, was heute, da in anderen Sprachtraditionen kaum vermittelbar, ökumenisch problematisch ist. "G."ist demnach die konkrete örtliche Versammlung der Christen, "Kirche" dagegen das Volk Gottes als universale Größe und in seinen überörtlichen Organisationsformen.

In der offiziellen Ausdrucksweise bei uns tritt heute das überörtliche Denken stärker hervor, unterstützt durch klärende Hinweise wie "Bezirk".

Wörtlich lässt im Griechischen das Wort "ekklesia" an eine Versammlung denken, an die Zusammenfassung der an einem Ort lebenden Christen, Auch Paulus meint die "Versammlung" und denkt schon an die universale Gemeinschaft in Richtung auf die "Kirche", in der sich alle Berufenen zusammenfinden.

Das Wort "Kirche" kommt von dem griechischen Wort für den Herrn her (kyrios) und lässt im weiteren Lauf der Entwicklung sogar an den "mystischen" Leib Christi denken. Dass man aktuell vorwiegend an "Kirchenbezirke" denkt, richtet (konzentriert oder senkt?) den Blick auf die Verwaltungsebene.

Die Polarität von den einander seit dem 19 Jahrhundert ergänzenden Gebäuden " Kirche" und "Gemeindehaus" ist kennzeichnend für eine betont "evangelische" Sicht. Man darf das in einen Zusammenhang stellen mit der Entwicklung der "Stadt", in der sich Menschen aus verschiedenen Orten zunächst fremd begegnen und, wenn es gut geht, eine gedeihliche Nachbarschaft entwickeln, auch Dienste teilen, in denen eine "Gemeinde" zur Heimat werden kann für Menschen verschiedener Herkunft, Eigenart, Interessen und Glaubensrichtungen (man achte dazu auf die vier Köpfe der lutherischen und calvinistischen Reformatoren, die im Rechten Winkel zu einander stehen und einander doch gleichen Platz einräumen)

Gerade in einer wachsenden Großstadt wie Freiburg hat man dies in den Jahren des stärksten Wachstums (um 1900) erkannt und in beispielhafter Weise zu leben gesucht.

Hans Ulrich Nübel
im Dezember 2011

Teilverkauf des Gemeindehauses Maienstrasse 2

Seit der großen Pfarrgemeindereform von 2007 gehört dem Predigtbezirk Ost nicht nur die Friedenskirche, sondern auch die Christusgemeinde mit ihrem Gemeindehaus und der Kirche an. In der Teilgemeindeversammlung am 15.10.2011 wurden die Anwesenden informiert, dass in Kürze ein Teilverkauf des Gemeindehauses Maienstr.2 beschlossen werden soll.
Dass das Gemeindehaus in der Maienstraße, 1896 als erstes evangelisches Haus für die Gemeinde erbaut, und als Ensemble mit der Kirche im Denkmalbuch des Landes eingetragen, aus finanziellen Gründen verkauft bzw. teilverkauft werden soll um Sanierungskosten für Gemeindehaus und Kirche zu decken, stößt bei vielen Bürgern der Stadt auf Unverständnis.

War doch gerade dieses Haus Zentrum der Bekennenden Kirche in der Zeit der nationalsozialisten Herrschaft, wo sich geheim, überkonfessionell, Theologen, Universitätsprofessoren, Juristen und Verleger trafen, ihre Netzwerke pflegten und nach dem Besuch von Dietrich Bonhoeffer sich damit beschäftigten, Pläne für die Zeit nach dem Krieg zu erarbeiten. Sie bemühten sich um die Erarbeitung einer christlichen Ethik auf der Grundlage des christlichen Glaubens. Dies bedeutete damals Hochverrat!

Menschen wie diese geben ein Beispiel für jetzige und kommende Generationen und sind keineswegs "museal"! Drei Namen sind aus dieser Zeit sehr bekannt: Walter Eucken, Gerhard Ritter und Constantin von Dietze. Nun gilt es dieses Haus, für uns in einer Hand als einen Ort des Gedächtnisses in der Stadt zu bewahren für die Kirchen, für die Universität und für alle Bürger. Es muss Zentrum bleiben für den gemeinschaftlich regen Austausch interessierter Menschen, für die Kirchenmusik, aber nicht zuletzt auch als Zentrum für Inklusion, dem Zusammenleben mit beeinträchtigten Menschen, so wie die UN-Behindertenrechtskonvention dies in einem Aufruf fordert:

Behindern ist heilbar: Gemeinsam setzen wir die UN-Behindertenrechtskonvention um. Behinderungen sind nicht heilbar. Sie sind integraler Bestandteil der Persönlichkeit beeinträchtigter Menschen und verdienen Hilfe und Respekt. Behindernde Strukturen und behinderndes Verhalten aber sind heilbar. Darum wollen wir versuchen Schritte in eine inklusive Gesellschaft (Gemeinde) zu unterstützen und anzuregen. Die Bundesregierung hat in ihrem Nationalen Aktionsplan über 200 Einzelmaßnahmen die Umsetzung der Un-Behindertenrechtskonvention auf den Weg gebracht. Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe aus der die Kirche sich nicht heraushalten kann. Auch sie ist gefordert, ein selbstverständliches Zusammenleben von behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen Lebensbereichen zu fördern und zu ermöglichen. Darum ist es undenkbar, den beeinträchtigten Menschen, die seit 40 Jahren ein Zuhause in der Christusgemeinde haben, diesen Ort, der ein Stück Lebensqualität bietet, zu nehmen.
Dies ist, neben der Kirchenmusik, einer der über die Gemeindegrenzen hinaus ausstrahlenden Schwerpunkte der Christusgemeinde. Die Wurzeln des "ABC" reichen zurück bis in die menschenverachtende Zeit, in der gerade in diesem Haus, auch ein behindertes Kind bewahrt werden musste und das jetzt für viele Menschen mit Beeinträchtigung Heimat ist.

Ein Kreis von Freunden hat einen gemeinnützigen Verein gegründet, um dafür einen konstruktiven Beitrag zu leisten. Wer hilft mit?

Frau Dipl.Päd. V.A.Kreuzer, Tel.: 70 51 90 51
im Dezember 2011

Gefahr im Verzug

Das Annakirchle und die Christuskirche mit ihrem Gemeinde- und ehemaligen Pfarrhaus sind zwei Orte, die den Wiehremern besonders lieb sind.

Leider ist das Gemeindehaus, das 1896 erbaut wurde und das zusammen mit der Kirche im Denkmalbuch des Landes eingetragen ist, in einem schlechten baulichen Zustand. Um die Renovierung finanzieren zu können, ist von den verantwortlichen kirchlichen Gremien geplant, Stockwerkseigentum zu bilden und die oberen Etagen an Investoren zu verkaufen, wobei nur das Erdgeschoss im Eigentum der Kirche bleiben soll. Dieser Gedanke stößt bei vielen Bürgern der Stadt auf großes Unverständnis.

War doch gerade dieses Haus in der Zeit des Nationalsozialismus eines der geistigen Zentren der Bekennenden Kirche. Der damalige Pfarrer der Christusgemeinde Herman Weber war 1933 zum Sprecher der Bekennenden Kirche in Freiburg und im Badischen Oberland geworden. Zusammen mit ihm und nach seinem frühen Tod mit seinem Nachfolger Pfarrer Otto Hof engagierten sich bedeutende Theologen (auch katholische), Universitätsprofessoren, Juristen und Verleger in den sogenannten Freiburger Kreisen, in denen Pläne einer neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung für die Zeit nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes und - verstärkt nach einem Besuch Dietrich

Bonhoeffers - die Grundzüge einer neuen christlichen Ethik entwickelt wurden. Das war in der damaligen Zeit Hochverrat! Drei Namen aus Freiburg sind sehr bekannt: Walter Eucken, Gerhard Ritter und Constantin von Dietze. Diese mutigen Persönlichkeiten und alle diejenigen, die wie sie ihr Leben aufs Spiel setzten, gaben und geben ein Beispiel für die jetzige und die kommenden Generationen.

Dieses Haus mit seiner besonderen Geschichte gilt es als Ganzes für die Kirchengemeinde Freiburg zu erhalten als einen höchst bedeutsamen Ort nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Universität und die gesamte Bürgerschaft Freiburgs.

Als Folge des Teilverkaufs würde dann auch die Behindertenarbeit an der Christuskirche ("ABC"), die neben der Kirchenmusik einer der über die Gemeindegrenzen hinaus ausstrahlenden Schwerpunkte der Christusgemeinde ist, ihr Zentrum verlieren. Die Wurzeln des "ABC" reichen zurück in die menschenverachtende Zeit. Denn gerade in diesem Haus musste das behinderte Kind von Pfarrer Weber vor dem mörderischen Zugriff versteckt werden. Und heute ist das Haus eine Heimat für viele Menschen mit Behinderungen.

Ein Kreis von Freunden ist dabei, einen Verein zu gründen mit dem Ziel, eine Nutzung des gesamten Hauses zu ermöglichen, in der sich Zukunftsaufgaben mit dem Geist der Tradition verbinden lassen.

Wir suchen Menschen, die uns mit Ideen, mit finanziellen Mitteln und handwerklichen Leistungen zur Seite stehen. Rasche Hilfe ist nötig!! Auch Ihre! Bitte wenden sie sich an den Bürgerverein!

Mechthild Schoeller
im November 2011

Infos zur Gemeindeversammlung

Bei der Teilgemeindeversammlung der Christuskirche am 15.10.2011 wurden die Anwesenden darüber informiert, dass in Kürze ein Teilverkauf des Hauses Maienstraße 2 geplant sei. Nur das Erdgeschoss soll für die Gemeinde im Besitz der Kirche bleiben. Das bedeutet, dass der ABC keinen Platz mehr hatt und ausziehen muss. Da in das Haus seit langen Jahren kaum investiert wurde, sind die Sanierungskosten sehr hoch. Sie übersteigen anscheinend die Möglichkeiten der Kirchengemeinde Freiburg.
Einige Gemeindeglieder beabsichtigen, einen Verein/Freundeskreis zu gründen der mithelfen will, das Haus im Besitz der Kirche zu erhalten. Wer hilft mit?

U. Hempel
M. Schoeller
im November 2011

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